Tückische Transportmittel

Kurztrips und Wochenendbesuche sind Bestandteile des alltäglichen Lebens geworden. Der Kollege fliegt mal eben mit seiner Verlobten nach London, die Schwester fährt von Stuttgart nach Brandenburg, um die Schwiegereltern zu besuchen und man selbst liebäugelt mit einem verlängerten Wochenende in Madrid.

In einer Welt, die immer mehr zusammenwächst, ist es nicht ungewöhnlich in kürzester Zeit große Distanzen zurückzulegen. Die modernen Transportmittel machen es möglich.
Doch gerade jene Transportmittel stellen den Reisenden oft vor Probleme und Entscheidungen, die er mit seinem Gewissen und seinem Geldbeutel austragen muss. Neben die klassischen Fortbewegungsmitteln Bahn, Bus und Auto ist das Flugzeug getreten. Zeitsparend und erschreckenderweise auch oft kostensparend, bietet sich das Fliegen gerade für entlegenere Destinationen an. Niemand fährt für mehrere 100 Euro Benzingeld eben mal nach Rom, wenn er für 90 Euro hin- und zurückfliegen kann.

Beunruhigenderweise gibt es auch Deutschlandweit schon seit Jahren eine Entwicklung, die von Bahn und Bus zu (Billig)Fliegern geht. Gründe gibt es viele. Ohne Vergünstigungen kostet ein Zugticket oft bis zum Dreifachen wie ein Flugticket und die Aussicht auf verspätete Züge ist kein überzeugendes Argument für eine Bahnreise. Eine Alternative wäre Bus fahren. Doch ein gut ausgebautes Busnetz, wie in Spanien oder Großbritannien, existiert in Deutschland bislang nicht. Nur die größten deutschen Städte sind durch interurbane Linien verbunden und oft muss man mit Umsteigen und ebenfalls hohen Ticketpreisen rechnen.

Eigentlich wäre Bahn fahren die umweltschonendste Variante des Verreisens, wenn man von Wandern, Radfahren und Pferdewagen absieht. Im Moment ist sie jedoch, wie oben genannt, auch die ökonomisch unvorteilhafteste. Fliegen, das sich gerade auf Kurzstreckenflügen sehr Umwelt schädigend auswirkt, bietet hingegen die größten ökonomischen Vorteile. In kurzer Zeit legte man viele Kilometer zurück und spart dabei auch noch Geld. Zeit und Geld gespart – was will man mehr, könnte man da sagen. Doch nicht nur der Umweltfaktor sollte in die Kalkulation eingerechnet werden. Billigfluglinien bedeuten langfristig auch eine Bedrohung für andere preislich höhere Fluglinien.

Wer nicht mit dem Zug, aber trotzdem etwas umweltfreundlicher verreisen möchte, der sollte aufs Auto zurückgreifen. Auto und umweltfreundlich in einem Satz zu erwähnen, klingt zu erst paradox, macht jedoch Sinn, wenn man sich den Kerosinverbrauch einer mittleren Passagiermaschine ansieht. Mit dem Auto übers Wochenende zu verreisen, ist natürlich nur bis zu gewissen Distanzen sinnvoll, kann sich dabei aber als sehr rentabel herausstellen. Wenn genügend Platz im Auto ist und man nicht menschenscheu ist, zahlt sich eine Fahrgemeinschaft aus. Im Internet gibt es Portale wie Mitfahrgelegenheit oder Mitfahrzentrale, die sich auf Mitfahrervermittlung spezialisiert haben. So finanziert man sich im besten Falle die Fahrt und lernt gleichzeitig interessante Menschen kennen. Sollte man nicht im Besitz eines eigenen Wagens sein, lohnt sich oft auch ein Leihauto. Gerade wenn man am Urlaubsort noch ein bisschen die Gegend erkunden möchte, empfiehlt sich diese Variante. In der Adressauskunft finden sich auch einige Anbieter, die Leihwagen an anderen Orten zurücknehmen als sie ausgeliehen wurden. So könnte man eine Hinfahrt mit dem Auto und eine Rückfahrt mit dem Zug kombinieren.

Natürlich gibt es keine Paradelösung für das Transportmittelproblem. Das Auto wird auch viel zu oft unnötig und sinnlos genutzt. Wenn 120 Leute alle alleine in einem Auto fahren, verbrauchen sie umgerechnet auch fast so viel wie eine Passagiermaschine mit derselben Anzahl an Insassen. Letzten Endes muss ein jeder für sich selbst abwägen, ob er neben Zeit, Geld, Komfort und persönlichen Ansprüchen auch versucht ökologische Aspekte mit in die Überlegung einzubeziehen. Schaden kann es so gut wie nie. Vielleicht wird ja der nette Mitfahrer im Auto nach Hamburg der Grund unseres nächsten Wochenendetrips. Man weiß nie…

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